Zahlen, Formen, Weltbilder
Streifzüge durch die Geschichte der Mathematik
Diese Vortragsreihe lädt zu einer kultur- und ideengeschichtlichen Entdeckungsreise durch die Mathematik ein. Von den zeitlosen Schönheiten der platonischen Körper über die Übernahme des indo-arabischen Zahlensystems in Europa bis hin zu den tiefgreifenden Strukturideen von Felix Klein spannt sich ein weiter Bogen.
Dabei wird Mathematik nicht nur als abstrakte Disziplin, sondern als treibende Kraft wissenschaftlicher, technischer und philosophischer Entwicklungen sichtbar. Die Mechanik des Himmels, die Transformationen in China auf dem Weg in die Moderne sowie geometrische Konzepte für das Verständnis des Kosmos zeigen eindrücklich, wie eng mathematisches Denken mit unserem Weltbild verknüpft ist.
Die Reihe verbindet historische Perspektiven mit anschaulichen Zugängen und macht die Entwicklung mathematischer Ideen als lebendigen Prozess erfahrbar.
In Kooperation mit ART & Friedrich e.V., Verein zur Förderung von Kunst, Theater und Wissenschaft und der Astronomische Gesellschaft in der Metropolregion Nürnberg e.V., Fachgruppe Mathematik.
Die Vortragsreihe umfasst insgesamt sechs Veranstaltungen, die im Rahmen eines vergünstigten Reihentickets gebucht werden können. Alternativ besteht auch die Möglichkeit, die einzelnen Vorträge separat zu buchen.
Jeweils Mittwoch, 14. Oktober bis 16. Dezember 2026, 19.30 bis 21 Uhr
Wie Europa das indo-arabische Zahlensystem bekam
Vortrag von Thony Christie, Wissenschaftsgeschichtsblogger
Eins, zwei, drei – unsere alltäglichen Zahlen und das Stellenwert-Dezimalsystem haben ihren Ursprung in den ersten Jahrhunderten unserer Zeit in Nordindien. Dieser Vortrag erklärt die Herkunft dieses Zahlensystems und verfolgt seinen Weg durch die Geschichte bis zu seiner Ankunft in Europa zur Zeit der Renaissance
Mittwoch, 14. Oktober 2026, 19.30 bis 21 Uhr
Felix Klein (1849–1925): sein „Erlanger Programm“ und sein „Gauß-Programm“
Vortrag von Prof. Dr. habil. Renate Tobies, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Lehrstuhl Geschichte und Philosophie
Mit 23 wurde Felix Klein Professor in Erlangen und stellte sein „Erlanger Programm“ vor, das die teils konkurrierenden Richtungen der Geometrie ordnete. Auch nichteuklidische Geometrien gehörten dazu, deren Widerspruchsfreiheit er zeigte – bemerkenswert, da die euklidische Geometrie lange als „denknotwendig“ galt. Erst Einsteins Relativitätstheorie machte ihre reale Bedeutung deutlich. Klein arbeitete auf vielen Gebieten der Mathematik und förderte besonders deren Anwendung in technischen Bereichen, etwa mit seinem „Gauß-Programm“ in Göttingen.
Mittwoch, 21. Oktober 2026, 19.30 bis 21 Uhr
Platonische Körper – Fünf Juwelen der Geometrie
Vortrag von Prof. Dr. Albrecht Beutelspacher, Justus-Liebig-Universität Gießen, Direktor Mathematikum
Die fünf platonischen Körper – vom Tetraeder über den Würfel bis zum Dodekaeder – haben seit Tausenden von Jahren die Menschen nicht nur als mathematische Objekte fasziniert, sondern spielten – von Platon bis Kepler – eine entscheidende Rolle zur Welterklärung. Bis heute dienen sie zur geistigen Anregung, als praktische Anwendung und zur konkreten Anschauung in Mathematik und Naturwissenschaften. In dem Vortrag werden diese Körper, ihre Bedeutung sowie ihre Beziehungen untereinander durch Experimente vorgestellt.
Mittwoch, 28. Oktober 2026, 19.30 bis 21 Uhr
Die Mechanik des Himmels: von der Sphärenmusik zur Raumfahrt
Vortrag von Prof. em. Dr. Andreas Knauf, FAU Erlangen-Nürnberg, Department Mathematik
Wie wir alle wissen, war die Himmelsmechanik für die Entwicklung der Wissenschaften von entscheidender Bedeutung. Das begann vor etwa 5000 Jahren mit der Beobachtung von Sonnen- und Mondfinsternissen. Innerhalb der Mathematik gab die Himmelsmechanik der Topologie, der Theorie der gewöhnlichen Differentialgleichungen und der Analysis insgesamt wichtige Impulse. Heute ist sie weitgehend eine angewandte Wissenschaft, die die Bahnen von Himmelskörpern und Satelliten numerisch vorhersagt. Warum also sollte sich die Theoretische Mathematik also noch mit diesem Thema beschäftigen.
Mittwoch, 11. November 2026, 19.30 bis 21 Uhr
Chinas Weg in die Moderne: Wandel in Wissenschaft, Technik, Politik und Philosophie
Vortrag von Prof. Dr. Andrea Breard, FAU Erlangen-Nürnberg, Vizepräsidentin und Lehrstuhlinhaberin für Sinologie mit dem Schwerpunkt Geistes- und Kulturgeschichte Chinas
In China hat sich die Mathematik (shuxue 數學, wörtlich: die Lehre von den Zahlen) bis ins 19. Jahrhundert fast unabhängig von anderen wissenschaftlichen Traditionen entwickelt. Dabei wird der chinesischen Mathematik oft vorgeworfen, intuitiv, ohne Beweisidee und andere theoretische Konzepte vorgegangen zu sein. Dieser Vortrag zeigt anhand einiger konkreter Beispiele von der Antike bis ins frühe 20. Jahrhundert, dass, auch wenn es keine Theorie der Zahlen in China gegeben hat, theoretische Aspekte durchaus eine wichtige Rolle in den in natürlicher Sprache formulierten Algorithmen spielten. Diese entsprechen nur nicht unserer normierten Vision davon, was Mathematik ist und was sie soll.
Mittwoch, 18. November 2026, 19.30 bis 21 Uhr
Geometrie für den Himmel – wie im Altertum das Weltall berechnet wurde
Vortrag von Prof. Dr. Christina Birkenhake, FAU Erlangen-Nürnberg, Department Mathematik
Menschen schauten schon immer in den Himmel, Ereignisse wie Mond- und Sonnenfinsternisse, aber auch der Weg der Planeten wurden beobachtet und akribisch dokumentiert. Dabei ging es nicht nur um die Faszination des Sternenhimmels. Astronomen werteten seit dem Altertum Ereignisse am Himmel aus. Das diente neben Kalenderberechnungen, auch zur Vermessung der Welt. Dazu braucht es aber Mathematik, Geometrie und geniale Ideen, worüber der Vortrag einen Einblick gibt.
Mittwoch, 16. Dezember 2026, 19.30 bis 21 Uhr